Hobbiteskapaden Teil 1

Auf diesem Blog ist es in den letzten Monaten sehr still geworden. Das lässt sich sehr einfach damit erklären, dass wir am 16. März endlich unsere Arbeit in Auckland aufgenommen haben und noch immer sehr viel Kraft und Zeit in die Eingewöhnung und die alltägliche Arbeit stecken müssen. Uns geht es alles in allem gut, aber wir haben uns hier definitiv eine sehr große Herausforderung ausgesucht, die mit der einen oder anderen Grenzerfahrung einhergeht. Vielleicht ergibt sich irgendwann die Gelegenheit, unseren Alltag hier ausführlicher zu beschreiben, aber an dieser Stelle möchte ich von zwei sehr besonderen Ausflügen berichten, die wir zum Hobbiton Movie Set machen durften:

Am 28. März haben wir an dem wohl geekigsten Sportevent teilgenommen, das man sich vorstellen kann: Dem Middle Earth Halfling Marathon.
An diesem Tag war das Filmset für den normalen Besucherstrom gesperrt. Stattdessen gab es einen kleinen öffentlich zugänglichen Musik-/Verpflegungs-/Feierbereich auf den Wiesen vor dem Shires Rest Cafe und auf der anderen Straßenseite, die sonst fest in der Hand von Schafsherden ist, waren sehr ambientestimmig Startzone und Zieleinlauf aufgebaut. Wir kamen ungefähr zwei Stunden vor der Startzeit an und konnten beobachten, wie nach und nach eine wirklich große Zahl Läufer eintraf. Das Event war ausgebucht!  Man konnte kaum jemanden ohne wenigstens eine kleine optische Outfitanspielung auf Mittelerde sehen. Das Spektrum reichte von voll kostümierten Zwergen, Elben, Hobbits, Gandalfs, Gollums, Balrogs und Ents über wehende Umhänge zu thematisch bedrucken T-Shirts. Unsere Kostüme sind leider in der Post hängengeblieben, deshalb mussten wir ein bisschen improvisieren, waren mit den Resultaten aber sehr zufrieden. 

Der Lauf selbst war ein großartiges Erlebnis. Lisanne ist ihren ersten Halbmarathon gelaufen, Philipp hat immerhin in der Kategorie „Eleventyfirst Walker“ teilgenommen. Die Strecke führte erst bei bestem Wetter über die grünen Hügel und Weiden um das Set, wo nicht nur Verpflegungsstände eingerichtet waren (zum Teilnahmepaket gehörte auch ein wiederverwendbarer Silikonbecher, den man dazu während des Rennens bei sich trug), sondern auch kostümierte Orkdarsteller lauerten, ein paar Nazgul auf Pferden die Läufer anspornten und ein Gandalf ermutigende Worte rief. Dann führte der Weg erstmals durch das Set, vorbei auch an Hobbithöhlen, die sonst nicht auf der üblichen Besichtigungsroute liegen. Ein gutes Stück weiter, etwa auf halber Wegstrecke, lag das sogenannte Wasserloch, zwei über eine Rutsche miteinander verbundene, durch Stege, Einstiegshilfen und Ufereinfassungen erschlossene natürliche Badestellen, die wir mitten im Nirgendwo des Auen-Hinterlands so nicht erwartet hätten. Eine willkommene Unterbrechung des Laufs und eine gute Gelegenheit für eine Pause – spätestens jetzt sollte klar sein, dass man den Sinn der Veranstaltung nicht ganz erfasst haben dürfte, wenn man an all dem einfach vorbeigerannt wäre. Wir haben uns beide Zeit gelassen und den Weg genossen. Weiter ging es über einige weitere Hügel mit großartigen Aussichten und durch ein Maisfeld (mit nicht nennenswerter Aussicht, dafür aber der latenten Angst, dass hinter der nächsten Kurve Orks lauern würden), schließlich wieder zurück nach Hobbingen, wo es im Grünen Drachen Gingerbeer für uns gab. Dort hat Lisanne gewartet, sodass wir uns treffen konnten, die Stimmung genossen und dann die letzten 1,9 km zusammen zurückgelaufen sind. Auch im Zielbereich war die Stimmung großartig, sodass wir noch ein bisschen blieben und schließlich beschwingt nach Auckland zurückfuhren.
Sollte sich die Gelegenheit ergeben, werden wir diese Erfahrung sehr gerne wiederholen.

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